Presse

06.10.2018 | Aargauer Zeitung

Das Beste kommt zum Schluss

Patrik Moser (31) vom Ju-Jitsu & Judo Club Brugg ist diese Saison so erfolgreich wie nie – dennoch beendet er die Spitzensportkarriere

TEXT: JANINE MÜLLER | BILDER: ZVG / PACO LOZANO

Ende September reiste Patrik Moser (31, –100 kg) erstmals in seiner Karriere an eine Judo-Weltmeisterschaft. Der erste Kampf in der Vorrunde war gleichzeitig auch der letzte in seiner internationalen Karriere, die Moser nun an den Nagel hängt. Wir erreichen Moser am Telefon, sprechen mit ihm über seinen Entscheid und sein Leben als Leistungssportler.

Patrik Moser, Sie sind diese Saison so erfolgreich wie nie. Dennoch beenden Sie Ihre internationale Karriere.
Patrik Moser: Ich habe 17 Jahre lang mein Leben rund ums Judo organisiert, bin viele Kompromisse eingegangen. Judo ist meine Liebe, die schon fast mein ganzes Leben da ist. Ihr galt der erste Gedanke am Morgen und der letzte beim Einschlafen am Abend. Mit zunehmendem Alter habe ich mir Gedanken über den Rücktritt gemacht. In den Trainingslagern wurde mir je länger je mehr bewusst, dass meine Gegner mindestens fünf Jahre jünger sind. Ende 2017 fasste ich dann den Entschluss, nach der WM 2018 international zurückzutreten.

Wie ist es für Sie, dass Sie auf dem Höhepunkt Ihrer Karriere zurücktreten können?
Es ist schön, dass es so geklappt hat. Das ist nicht jedem Sportler vergönnt. Viele müssen verletzungsbedingt aufhören oder weil sie ausgemustert werden. Ich hingegen konnte vor allem im Vorfeld der WM nochmals meine Leistung abrufen, gewann gar im letzten Turnier vor der WM noch gegen den Vize-Weltmeister und Weltranglisten-Ersten, was mir schliesslich noch die Qualifikation für die WM einbrachte.

Wie erklären Sie sich, dass es Ihnen in dieser Saison so gut läuft?
Ich setzte mir zum Ziel, die Qualifikation für die EM und WM zu schaffen. Dass ich derart erfolgreich sein werde, dachte ich nicht. Mit dem Entscheid, zurückzutreten, ist auch der ganze Druck abgefallen. Ich war viel relaxter. Mit 31 Jahren ist man im Spitzensport auf dem Abstellgleis, entsprechend erwartete niemand mehr überragende Resultate. Zudem ging es mir auch gesundheitlich gut.

Bereuen Sie den Entscheid bezüglich Rücktritt, wenn Sie jetzt Ihre Resultate anschauen?
Bereuen nicht, nein. Aber etwas melancholisch bin ich schon. Dafür habe ich jedes einzelne Trainingslager, jedes einzelne Turnier intensiver genossen und bewusster erlebt. Und ich habe mir schon lange Gedanken gemacht, was nach dieser Zeit kommt. Das hilft.

Was werden Sie vermissen?
Ganz sicher die Emotionen, den Nervendruck, all diese Momente, auf die man so hart hinarbeitet. Ich brachte nur mittleres Talent fürs Judo mit, aber dank meiner Leidensfähigkeit im Training konnte ich trotzdem immer wieder Spitzenresultate erzielen. Und natürlich werden mir auch die Judo-Kollegen und die Reisen auf der ganzen Welt fehlen. Sogar die zehnstündigen Autofahrten, nach denen mir jeweils alles wehtat. Im Nachhinein sind mir diese Fahrten als sehr lustig in Erinnerung.

Dafür haben Sie jetzt wohl massenhaft Zeit für anderes.
Nicht wirklich (lacht). Ich muss im Geschäft noch 150 Minusstunden abarbeiten bis Ende Jahr. Aber ich freue mich darauf, mehr Zeit mit meiner Freundin zu verbringen. Sie hat oft zurückstecken müssen. Zudem möchte ich beruflich durchstarten. Die Energie, die ich jahrelang ins Judo gesteckt habe, werde ich jetzt anderswo investieren.

Und wie sieht Ihre Judo-Zukunft aus?
Im Team, unter anderem im Brugger Nationalliga-A-Team, werde ich noch lange dabei sein. Als Einzelkämpfer absolviere ich noch diese Saison die Schweizer Meisterschaft. Den Trainingsaufwand reduziere ich von 16 bis 17 Stunden pro Woche auf gut eine bis zwei Stunden pro Tag. Und wenn schönes Wetter ist, entscheide ich mich spontan, mal nicht ins Dojo zu gehen. Bestimmt werde ich später als Trainer meine Erfahrung weitergeben, ab wann und in welcher Form ist noch unklar.

Bild oboen:Patrik Moser (rechts) in seinem ersten und gleichzeitig letzten WM-Kampf seiner Judo-Karriere diesen September in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku.

Bild unten: Nur dank Unterstützung von Familie, Arbeitgeber und Sponsoren konnte Patrik Moser, der in der Region Brugg aufgewachsen ist, Spitzensport betreiben.


Erfolge

>WM-Qualifikation 2018
>EM-Qualifikation 2018 und 2016
>Grand-Prix-Stufe:
 5. in Agadir (MAR) und 7. in Budapest (HUN) 2018

>Weltcup-Stufe:
 3. in Madrid (ESP) 2018 und 2. in Port Luis (MRI) 2015
 und div. Top-7-Platzierungen

>Europacup-Stufe:
 
1. in Helsingorg (SWE) 2014 und insgesamt acht weitere Medaillen
>National:
 
5-facher Schweizermeister (Einzel)
 und 10-facher Schweizer Mannschaftsmeister mit dem JJJC Brugg


 

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