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Früher Wildfang, heute Leistungsträger

Brugg Judoka Patrik Moser (31) ist im Herbst seiner Karriere besser denn je – und kann Cut für WM-Team schaffen

TEXT: RUEDI BURKART | BILD: CLAUDIO THOMA

Wer Patrik Mosers Homepage anwählt, bekommt es gleich beim ersten Klick mit der vollen Power zu tun. Der Brugger Judoka stemmt eine Langhantel und blickt den Betrachter direkt an.

Beim Foto steht Gandhis Zitat «Stärke entspringt nicht aus physischer Kraft, sondern aus einem unbeugsamen Willen». Man merkt schnell, dass man es mit einem speziellen Typ Mensch zu tun hat. «Ob ich speziell bin? Also, ich denke, ich bin einfach sehr stark zielorientiert», meint Patrik Moser schmunzelnd. Und erfolgreich, sei noch hinzuzufügen. Der jüngste Coup des ältesten Judokas im Brugger NLA-Kader: Die Bronzemedaille an den European Open in Spanien in der Klasse bis 100 Kilogramm.

Als ihn diese Zeitung am Telefon erreicht, ist Moser auf der langen Rückfahrt von einem Arbeitseinsatz. Neben seinem grossen Engagement im Judo hat er einen 80-Prozent-Job. «Ich bin noch länger unterwegs», meint er schmunzelnd. Also bleibt genügend Zeit für ein Gespräch. Auf die Frage, ob er denn beim Fahren auch noch sprechen könne, lacht Moser: «Keine Angst, ich habe die Freisprechanlage eingeschaltet.» Dann also los mit dem Frage-und-Antwort-Spiel.

Kinderarzt verordnete Judo

Dass der gebürtige Toggenburger seinerzeit überhaupt zum Judo kam, ist seinem damaligen Kinderarzt zu verdanken. «Ich war eines jener hyperaktiven Problemkinder, die ihre Eltern immer wieder besonders fordern. Ich war ein Wildfang, musste mich bewegen.» Da riet der Arzt, doch einmal zu versuchen, mit Judo den Bewegungsdrang auszuleben. Das war 1994, Klein Patrik war damals gerade mal sieben Jahr alt. «So hat die ganze Sache begonnen», erinnert sich der 31-Jährige. «Judo war damals mein Ventil für die überschüssige Energie, jetzt ist es seit langem ein wichtiger Teil meines Lebens.»


«Mit seinem extremen Trainingsfleiss ist Patrik Moser für die Jungen in unserer Mannschaft ein absolutes Vorbild.»

Martin Nietlispach Judo-Coach und Weggefährte


Dieses «Ventil», wie es Moser bezeichnet, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer wahren Passion. «Mit dem Judosport habe ich ein Betätigungsfeld gefunden, welches hundertprozentig zu mir passt. Schon nach dem ersten Training habe ich gewusst: Das ist mein Sport.» Noch während der Primarschulzeit zog Familie Moser in die Region Brugg. Der Drittklässler Patrik schloss sich 1997 dem Ju-Jitsu- und Judoclub Brugg an und traf dort auf einen ebenfalls 11-jährigen Knaben, der seine Leidenschaft für Judo teilte. Sein Name: Martin Nietlispach. Über 20 Jahre später ist Nietlispach längst erfolgreicher Athlet und bei Bruggs NLA-Team Trainer von Moser. Die beiden ergänzen sich bestens. Zusammen holten sie unter anderem zehn Schweizer-Meister-Titel in der Mannschaftsmeisterschaft in Serie (2007 bis 2016).

«Ein ganz spezieller Sportler»

Seit dem letztjährigen Generationenwechsel im Team ist Moser mit Abstand der älteste Akteur bei den Bruggern. Und auch der wichtigste. Nietlispach: «Patrik ist in den Trainings und während der Kämpfe meine rechte Hand. Mit seinem extremen Trainingsfleiss ist er für die Jungen in unserer Mannschaft ein absolutes Vorbild. Zudem ist er einfach auch ein feiner Kerl.»

Auch weil er Niederlagen und Enttäuschungen wegstecken kann wie kaum ein Zweiter, steht Moser bei seinem Trainer hoch im Kurs. Ein aktuelles Beispiel: Nach dem schwachen Abschneiden an der Europameisterschaft in Tel Aviv – da war für ihn schon nach der ersten Runde Schluss –, schaffte er später einen Exploit. Moser sicherte sich anlässlich der European Open in Spanien vor gut einer Woche Bronze. Für Moser war es der zweite Podestrang nach Silber an den African Open 2015 auf Mauritius. «Es stimmt, ich habe in Spanien ein paar ganz gute Leistungen abrufen können», meint Moser im Rückblick bescheiden. Nietlispach schmunzelt ob solcher Worte: «Wer mit 31 Jahren immer noch dieses Niveau hat und auch halten kann, der ist ein ganz spezieller Sportler.»

Inwiefern ihm diese «ganz guten Leistungen» helfen werden, sein Ziel von einer WM-Teilnahme Ende September in Baku (Aserbaidschan) zu erreichen, wird man sehen. Die Chancen stehen indes relativ gut. «Wenn er noch ein akzeptables Resultat bringt, dann gehe ich davon aus, dass Patrik dabei ist», orakelt Nietlispach. Moser ist auf seiner Position bis 100 Kilogramm aktuell die klare Nummer 1, da ein Konkurrent um den Platz in der Nationalmannschaft verletzt ausfällt.

Bild: «Judo war mein Ventil für die überschüssige Energie, jetzt ist es seit langem ein wichtiger Teil meines Lebens», sagt Patrik Moser zu seinem Sport.

Aargauer Zeitung

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