Ju-Jitsu & Judo Club Brugg

Mitglied AJV / SJV

 

 

 

 

BILD: FOTO WAGNER

Presse

Der Sport bestimmt sein Leben

Brugg Der Judoka Michael Kistler (22) kämpft sich an die Weltspitze heran – vor Augen hat er ein grosses Ziel

TEXT: JANINE MÜLLER | BILD: SANDRA ARDIZZONE

Schlafen, Training, etwas essen, mit dem Velo zur Arbeit düsen, etwas essen, mit dem Velo ins Training düsen, etwas essen, schlafen. Der Tagesablauf von Judoka Michael Kistler ist durchgeplant – und komplett dem Sport untergeordnet.

Der 22-jährige Brugger hat sich im Alter von 15 Jahren für den Leistungssport entschieden. Und damit für ein Leben, das viel Disziplin, Fleiss und Beharrlichkeit erfordert.

Während andere in seinem Alter jedes Wochenende Party machen, verbringt Michael Kistler seine Zeit an Turnieren – häufig im Ausland – oder im Training. Und wenn er mal nicht traininert, dann arbeitet er in einem 40-Prozent-Pensum in der Administration des Hochschulsports der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch. Für anderes bleibt da kaum Zeit. Den Termin mit der Zeitung legt er zwischen die Mittagspause und die Arbeit. «Ich bin sehr froh, dass ich einen kulanten Arbeitgeber habe, der mir dies so ermöglicht», sagt Michael Kistler, der von Freunden Michi genannt wird. «Das ist nicht selbstverständlich.»

Bild: Judoka Michael Kistler im Dojo in der Mülimatt, wo er viel Zeit verbringt.

Auf einem Bänkli am Ufer der Aare vor der Mülimatt spricht er über sein Leben als Leistungssportler, das zwar vieles von ihm abverlangt, das er aber noch keine Sekunde bereut hat. «Das Judo, der Leistungssport, geben mir viel mehr zurück, als es mir nimmt», sagt er. «Klar, andere in meinem Alter haben mehr Freizeit als ich, dafür kann ich reisen, lerne andere Länder, Kulturen und Religionen kennen.» Das, was er mache, sei eine gute Lebensschule. Tatsächlich scheint Michael Kistler reifer zu sein als Gleichaltrige. Er ist fokussiert und organisiert, spricht überlegt. «Natürlich würde ich gerne mal in den Ausgang gehen. Aber ich weiss auch, wofür ich so hart arbeite», sagt er.


«Natürlich würde ich gerne mal in den Ausgang gehen. Aber ich weiss auch, wofür ich so hart arbeite.»

Michael Kistler Judoka


Hart arbeiten. Das heisst zweimal täglich Training im Dojo in der Sportanlage Mülimatt plus Wettkämpfe an den Wochenenden entweder mit dem NLA-Team des Judo-Teams Brugg oder im Ausland auf internationalem Parkett. Häufig bleibt nur der Sonntag für etwas Freizeit übrig. Dann zieht es den 22-Jährigen mit seiner Freundin ins Kino, geht in einem Restaurant gut essen oder gönnt sich in einem Spa Erholung beim Wellness. Manchmal reicht es auch für einen Spaziergang mit dem Familienhund im Wald. «Unter der Woche bin ich abends meistens so müde, dass ich nichts mehr unternehmen mag», sagt Michael Kistler. Dabei hilft es ihm, dass praktisch alles seine Freunde ebenfalls Judokas sind und das gleiche erleben.

Aufwand soll sich auszahlen

Der Aufwand, den er betreibt, soll sich bald auszahlen. Nachdem er bei den letzten vier European Cups in der Kategorie -81kg jedes Mal auf dem fünften Platz gelandet ist, will er am nächsten Wochenende im kroatischen Dubrovnik am European Cup einen Schritt nach vorne machen. «Die letzten Turniere haben gezeigt, dass ich vorne mithalten kann, aber für ganz nach vorne hat es die letzten Male nicht gereicht», schätzt Michael Kistler die Situation ein. Die Ansage ist klar: Am Wochenende soll es endlich mit einer Medaille klappen. In Slowenien ist ihm dies im Jahr 2015 bereits einmal gelungen. Damals holte er sich den zweiten Rang. «Da habe ich ein ganz starkes Turnier absolviert», sagt Michael Kistler.

Von Verletzungen zurückgeworfen

Es sind Verletzungen, die ihn immer wieder zurückgeworfen haben. Vor gut vier Jahren fiel er wegen einer komplizierten Schulterverletzung – «da war fast alles kaputt, was kaputt sein kann» – neun Monate aus. Er nahm das Training wieder auf, verletzte sich daraufhin die Bänder an den Füssen und später in den Handgelenken, dann kam noch eine Hirnhautentzündung dazu. Konstantes Training war dabei fast nicht möglich. In diesen Zeiten sah er sich jeweils die Turniere im Livestream im Internet an. Er beobachtete die gleichaltrigen Kämpfer, sah, wie sie sich verbessern und Medaillen holen. «Ich sagte mir immer wieder: ‹Ich kann das auch, es ist möglich, so weit zu kommen›», erinnert sich Michael Kistler.

Mittlerweile ist er gut sechs Monate verletzungsfrei. Kleine Blessuren, die im Judo immer wieder vorkommen, mal ausgenommen. Judokas sind hart im Nehmen, beissen bei kleineren Verletzungen für einen Kampf auf die Zähne. «Jetzt brauche ich noch mehr Erfahrung und Konstanz, damit es auch mit Top-Resultaten klappt», sagt Michael Kistler. Dieses Jahr ist für ihn ein Aufbaujahr. Im Frühling 2018 beginnt die Qualifikationsphase für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 – dem grossen, übergeordneten Ziel des Brugger Judoka. Die Qualifikationsphase dauert dann bis in den Frühling 2020, wobei das letzte Jahr am meisten zählt.

Auf Sponsoren angewiesen

Die nächsten drei Jahre dürften also die bisher wichtigsten sein in der Karriere von Michael Kistler. Dafür möchte er eigentlich auch sein Arbeitspensum reduzieren, damit mehr Zeit für Training, vor allem aber für Erholung bleibt. Das bedeutet aber auch, dass er dafür sorgen muss, dass die Finanzen trotzdem stimmen. Mit Preisgeldern kommen die Sportler im Judo nicht weit. Bisher haben ihn Menschen aus dem privaten Umfeld als Gönner unterstützt. Zudem wohnt er noch bei den Eltern zu Hause. Hilfe erhält er zudem vom heimischen Judoklub. Mit seinem Lohn bezahlt er sämtliche Kosten, die für das Judo anfallen: Mitgliederbeitrag, Tape, Kleidung, Reisen, Akkreditierungen, Unterkunft und Verpflegung. Ein Turnier im Ausland kostet rasch 700 bis 1000 Franken. Gut 25 000 Franken kostet ihn eine Saison. Darum ist Michael Kistler dringend auf Unterstützung von Sponsoren angewiesen. Die sind bisher ausgeblieben.

Michael Kistler ist bewusst, dass Judo in der Schweiz eine Randsportart ist. Eine Randsportart, die aber immerhin in der Region Brugg, wenn nicht gar im Kanton Aargau, langsam aber sicher einen höheren Stellenwert erlangt hat. Die Popularität ist dank des 10. Schweizer Meister Titels des Brugger NLA-Teams gestiegen. Das Resultat: Das Team wurde zum Aargauer Sportler des Jahres gewählt. Das hat bisher nicht einmal der FC Aarau geschafft. Michael Kistler hofft, dass er von diesem Schwung im Bereich Sponsoring profitieren kann.

In der Zwischenzeit macht Michael Kistler das, was er jeden Tag tut. Trainieren, essen, arbeiten, schlafen – dem Erfolg wird alles untergeordnet. Nach dem Gespräch schwingt er sich aufs Velo und düst Richtung Fachhochschule. Ein Nachmittag auf seiner Arbeit steht an, bevor er sich gegen Abend auf der Tatami, auf der Matte, wieder mit den Bruggern Kämpfern misst. Denn die Kämpfe sind es, die Michael Kistler herausfordern und motivieren. «Ich will jede Begegnung für mich entscheiden. Ich bin ein Kämpfer.»


ZUR PERSON

In den Fussstapfen seines Vaters

Michael Kistler ist 22 Jahre alt und setzt, seit er 15 ist, auf Leistungssport. Zum Judo gebracht hat ihn sein Vater, Daniel Kistler. Dieser ist ein ehemaliger Spitzen-Judoka und Olympiateilnehmer, heute ist er Präsident des Schweizerischen Judo- und Ju-Jitsu Verbands. Michael Kistler hat in seiner Kindheit und Jugend auch andere Sportarten wie Reiten und Leichtathletik ausprobiert. Er ist aber immer beim Judo geblieben. «Ich mag die verschiedenen Komponenten, die Judo beinhaltet: Technik, Ausdauer, Konzentration und Kraft», sagt er. Dass die Fussstapfen seines Vaters riesig sind, kümmert Michael Kistler wenig. «Ich will mich nicht mit den Erfolgen meines Vaters messen», sagt er. Er geht seinen eigenen Weg. «Und vielleicht werde ich noch besser als mein Vater, vielleicht aber auch schlechter.» Michael Kistler war bei seinem Einstieg einer der jüngsten Kämpfer im Brugger NLA-Team. Geholfen habe ihm, dass er im Training immer gegen ältere Judokas kämpfen und dass er auch schon früh im Ausland Trainingslager absolvieren konnte. Heute tritt Michael Kistler in der Kategorie -81 kg an. Er ist national und international an Wettkämpfen unterwegs. Die Olympischen Spiele 2020 in Tokio (Japan) sind sein grosses sportliches Ziel.

(Aargauer Zeitung)

Hauptsponsoren


Sponsoren


Mannschaftspartner (NLA)

HEIMKÄMPFE:

AUSWÄRTSKÄMPFE:

Zum Seitenanfang