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16.02.2020 | Aargauer Zeitung

«Trainieren und niemals aufgeben»

Svenja Halbheer aus Niederwil ist ein Judo-Talent. Die 14-Jährige wurde in Brugg als beste Nachwuchssportlerin ausgezeichnet.

TEXT: VERENA SCHMIDTKE | BILD: ALEX SPICHALE

Es ist kurz nach 18 Uhr im Dojo des Sportausbildungszentrums in Brugg. Die jungen Judokas im Alter von 14 bis 23 Jahren wärmen sich für ihr Training auf. Bald darauf üben die Sportler in Zweiergruppen individuelle Spezialtechniken. Ihr Trainer ist der Portugiese Michel Almeida, der schon das Nationalteam von Kanada trainierte. Mittendrin stehen sich Svenja Halbheer und ihre Trainingspartnerin konzentriert gegenüber, geschickt gelingt es Svenja, ihr grösseres Gegenüber auf die Matte zu manövrieren.

Die 14-jährige Svenja Halbheer aus Niederwil im Freiamt ist eine talentierte Judoka, im Januar konnte sie im Salzhaus in Brugg den Preis als Nachwuchssportlerin für das Jahr 2019 entgegen nehmen. Sie trainiert im Nationalen Leistungszentrum in Brugg und ist Mitglied der NLZ Judo Acadamy. Seit der Ehrung hatte sie die Möglichkeit, ihr Können erneut unter Beweis zu stellen. «Bei den internationalen Turnieren in Eindhoven habe ich in der Kategorie U15 den 5. Rang belegt», erzählt die junge Sportlerin aus Niederwil, stolz fügt sie hinzu, «und in Morges kam ich auf den 1.Rang in der Gruppe U18, da war ich die Jüngste.»

Am ersten Turnier gewann sie gleich zwei Kämpfe

Als Svenja in die erste Klasse der Primarschule ging, seien ihre Eltern auf die Idee gekommen, dass sie eine Kampfsportart erlernen solle, da sie in der Schule gemobbt wurde. Ihre Mutter Chantal Halbheer sagt: «Im August 2012 begann sie im Movimento in Wohlen unter René Burch zu trainieren, was ihr immer sehr gut gefiel.» Schnell habe Svenja gemerkt, dass Judo ihr sehr liegt. «Irgendwann wollte sie dann bei einem Wettkampf antreten, also meldeten wir sie am internationalen Judoturnier in Baar an», erläutert die Mutter. Sie führt weiter aus: «Etwas Bedenken hatten wir schon, Svenja besass ja keine Wettkampferfahrung und so ein Turnier ist schon speziell.» Doch die Sportlerin habe sich schnell auf dem unbekannten Terrain eingefunden und sogar zwei Kämpfe gewonnen. «Da war uns klar, sie muss in einen Verein, in dem auf Wettkämpfe hin trainiert wird.» Schliesslich wechselte Svenja Halbheer im August 2015 zum Ju-Jitsu und Ju- do-Club Brugg.

«Erst hatte ich ein wenig Angst, es war alles etwas neu. Vorher haben nur wenige Mädchen Judo gemacht, das ist in Brugg anders», erinnert sich Svenja. «Durch den Sport und die Wettkämpfe habe ich inzwischen überall in der Schweiz Freundschaften geschlossen, das ist schön.»

Aufgrund ihres Alters wird sie bei Wettkämpfen oft unterschätzt

Ihr mache Judo einfach Freude, lachend sagt sie: «Beim Training kann ich auch mal Frust ablassen.» Mittlerweile ist sie so gut, dass sie im NLZ mit der U18/U21/U23 trainiert und neben den U15 Rankingturnieren auch den Doppelstart in der U18 macht. «Ich bin eine Linkskämpferin, das ist eher ungewöhnlich», erklärt die Athletin, «bei den Älteren ist das häufiger vertreten, das ist für mich recht hilfreich.» Aufgrund ihres Alters werde sie bei Wettkämpfen oft unterschätzt. «Meine Gegnerinnen sind dann oft überrascht, wie gut ich Judo beherrsche», freut sich die 14-Jährige.

Seit Sommer 2019 besucht Svenja Halbheer die Sportschule Suhrenmatte in Buchs-Aarau. Ihre Mutter sagt: «Angeregt wurde das von ihrer Kadertrainerin Jenny Gal, weil sie sehr talentiert ist und sie sich so noch mehr auf den Sport konzentrieren kann. Svenja war von der Idee begeistert.» Vor der Aufnahme in die Schule habe sie einen umfangreichen Fitnesstest und Gesundheitscheck absolvieren müssen, den sie ohne Probleme bestanden hat. Nun habe sie Unterricht in den Hauptfächern und statt der Nebenfächer Judo-Training. «Ich trainiere acht Mal in der Woche gesamthaft zwischen 14 bis 17 Stunden», schildert Svenja ihren Alltag. Neben Judo stehe ausserdem Krafttraining sowie Akrobatik auf dem Plan. «Seit Dezember schaffe ich es, mich ohne Hilfe der Füsse an einem Seil hochzuziehen.»

Dieses Jahr ist die Schweizer Meisterschaft im U18 das Ziel

Die erste Zeit nach dem Schulwechsel sei sie oft sehr müde gewesen, aber inzwischen komme sie gut mit Schule und Training zurecht. «Svenja ist so ehrgeizig, dass sie sogar in den Ferien trainiert», weiss Chantal Halbheer zu berichten. Vor dem Urlaub habe sie sich von Michel Almeida einen Trainingsplan fürs Gym geben lassen, damit sie fit bleibt.


«Später möchte ich gerne einmal an einer Europa- und Weltmeisterschaft dabei sein. Und die Olympischen Spiele wären ein Traum.»

Svenja Halbheer Nachwuchssportlerin aus Niederwil


So viel Motivation zahlt sich aus: Bei den Aargauer Meisterschaften 2019 konnte sie beispielsweise sowohl in der Kategorie U15 (+52 Kg) als auch in der Kategorie U18 (-57 Kg) den ersten Rang belegen. Ebenfalls holte Svenja im Gesamt Swiss Ranking den 2. Platz U15 -57kg und den 3.Platz U15 +57kg. Sie doppelte international nach und gewann im Herbst 2019 den Coppa Citta di Torino in Turin und den Sparkassen Adler Cup in Frankfurt.

Auf die Frage, ob sie Vorbilder habe, nennt Svenja die erfolgreichen weiblichen Judokas Evelyne Tschopp und Fabienne Kocher. «Die beiden sind der Hammer», stellt die junge Athletin fest. Ihr Ziel sei für dieses Jahr die Teilnahme an den Schweizer Meisterschaften im U18. «Später möchte ich gerne einmal an einer Europa- und Welt-Meisterschaft dabei sein. Und die Olympischen Spiele wären ein Traum. Bis dahin heisst es trainieren, trainieren, trainieren und niemals aufgeben. Ein verlorener Kampf ist mein Sieg im nächsten.»

Bild: Svenja Halbheer gelingt es, ihre Trainingspartnerin auf die Matte zu legen. Im Januar wurde sie in Brugg als beste Nachwuchssportlerin ausgezeichnet.

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